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Thomas Hettche
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Thomas Hettche (* 30. November 1964 in Treis, Landkreis GieĂen) ist ein deutscher Schriftsteller und Essayist.
Contents
⢠Leben
⢠Werk
⢠Inkubation
⢠NOX. Roman
⢠Animationen
⢠Ăbersetzungen
⢠NULL
⢠Edition Spycher
⢠Auszeichnungen
⢠Publikationen
⢠Bßcher
⢠Herausgaben
⢠HÜrbßcher
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Thomas Hettche wuchs im Dorf Treis am Rande des Vogelsbergs auf, wo die Familie des Vaters seit Generationen als Bauern und Handwerker ansässig ist. Hettches Mutter kam im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1947 nach Hessen. Er besuchte die Liebigschule GieĂen und legte 1984 das Abitur ab. Von 1984 bis 1991 studierte Hettche Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, an der er als Magister artium mit einer Arbeit Ăźber den Augenblick als Kategorie ästhetischen Empfindens in Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften abschloss und an der er 1999 mit der medientheoretischen Arbeit Animationen Ăźber die âGeschichte von Anatomie und Pornographie auf der Folie Venedigsâ promoviert wurde.
Hettche lebt nach Aufenthalten in Venedig, Krakau, Stuttgart, Rom und Los Angeles heute als freier Schriftsteller in Berlin.cite-ref-1[1] Er hat zwei TÜchter. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit war Hettche lange auch journalistisch tätig, vor allem fßr die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Neue Zßrcher Zeitung. Von 1995 bis 1999 war er Juror beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb.cite-ref-2[2]
2002 hatte er die Poetikdozentur der Akademie der Wissenschaften und der Literatur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne (zusammen mit Malin Schwerdtfeger), 2003 hatte er einen Lehrauftrag an der Philipps-Universität Marburg. Im selben Jahr war Hettche kßnstlerischer Gast des Collegium Helveticum an der ETH Zßrich. Von 2018 bis 2020 hatte er eine Honorarprofessur an der TU Berlin inne.cite-ref-3[3] 2021 war Hettche zusammen mit Eva Menasse Dozent bei der Tßbinger Poetik-Dozentur.
Hettche gehĂśrt der Berliner Akademie der KĂźnste sowie der Deutschen Akademie fĂźr Sprache und Dichtung an.cite-ref-4[4]
Werk
Ludwig muĂ sterben. Roman
âSelten ist ein DebĂźt mit so breiter und tiefer Bewunderung, ja mit einer so seufzenden Erleichterung aufgenommen worden, als wäre mit diesem virtuos kĂźhnen Textgebilde die Zukunft einer jungen deutschen Literatur erst einmal gesichertâcite-ref-autogenerated3-5-0[5], schrieb der Literaturkritiker Reinhard Baumgart in der Wochenzeitschrift Die Zeit Ăźber Thomas Hettches ersten Roman.
In Ludwig muà sterben erzählt ein aus der Psychiatrie Entlassener vom Sterben seines herzkranken Bruders in Italien, von dessen Existenz er eigentlich nichts wissen kann. In phantastischer Manier entsteigt erst eine junge, durch Eingriffe an Kopf und Gesicht entstellte Frau einem Anatomieatlas, gefolgt vom Arzt Johannes Tichtel, einer historischen Figur des 16. Jahrhunderts, dessen Tagebßcher Hettche fßr den Roman aus dem Lateinischen hatte ßbersetzen lassen und die er in Teilen in den Roman einbaut. In einer atem- wie absatzlosen Sprache voller Bilder und Zitate entfaltet der Roman alle Themen, die das Frßhwerk Hettches prägen: Macht und Ohnmacht des Erfindens, das Erzählen von Liebe und Tod, die Haut als verletzliche Grenze unseres Ichs.
âMit diesem jungen Frankfurter Autor hat ein Prosaist die literarische Szene betreten, der mit den technischen Mitteln modernen Erzählens wie ein Meister zu spielen verstehtâ, resĂźmiert Gunhild KĂźbler in der NZZ.cite-ref-6[6]
âWie bei so manchen seiner jungen Generationsgenossen, bei Durs GrĂźnbein, Marcel Beyer und Rainald Goetz, hat Dr. Benn massiv die Finger im Spiel. Der Anatomie-Atlas scheint fĂźr die heute DreiĂigjährigen das vornehmste Poesiealbum zu sein; ihre âSchädelbasislektionâ (GrĂźnbein) haben sie offenbar schon in der Wiege gelernt. Das âMenschenfleischâ (Beyer) als die letzte Substanz der Erfahrungâcite-ref-7[7] (Bernard Imhaslycite-ref-8[8] in der Neuen ZĂźrcher Zeitung).
Frank MĂźhlich feiert den Roman in der taz als âGeniestreichâcite-ref-9[9]. Und fĂźr Friedhelm Rathjen weist der Roman Hettche als âJungromancier allererster GĂźte ausâ, der âmit Furor aufs Ganze gehtâ und âein Verwandter Beckettscher Erzählerâ sei. Hettche gehe es âum die Sprache, keine Frage: um ihre Allmacht und ihre Ohnmacht. Die Sprache ist das MaĂ aller Dinge, denn ausdrĂźcklich aus WĂśrtern geformt sind alle KĂśrper, alle Gegenstände der sehr gegenständlichen und sehr kĂśrperlichen Prosa Thomas Hettches, die nicht im mindesten so abstrakt ist, wie jeder nur halbwegs angemessene Versuch ihrer Beschreibung notgedrungen sein muĂâ, schreibt er in seiner Rezension in der Frankfurter Rundschau.cite-ref-10[10]
Inkubation
Bei Inkubation (1992) handelt es sich um eine Art literarischer Partitur: Zwanzig ProsastĂźcke sind nach der Art von fĂźnfstimmigen polyphonen Inventionen ineinandergeschoben. Typographisch anspruchsvoll wird das Ineinander von Geschichten umgesetzt, das sich jeweils Ăźber die ganzen Doppelseiten des Buches erstreckt, durch ein Koordinatensystem statt durch Seitenzahlen gegliedert. Die Geschichten von âInkubationâ erzählen alle auf phantastische Weise von den Beziehungen zwischen einem Ich und einem Du: âDa stĂźlpen die Knorpel in deinen Schultern sich hoch aus, dir wachsen, weiss ich plĂśtzlich, FlĂźgel, darf nicht, jeder Engel ist schrecklich, ich beisse hineinâ. Der Band âversammelte (âŚ) Erzählungen, die wie ein generatives System die eigentliche Geschichte erst produzieren â fernab vom Erzähler und souverän kokettierend mit den Grenzen der Erzählbarkeit der Weltâ.cite-ref-11[11]
Hettche habe sich âvon frĂźhem Ruhm, von Hysterie und Erwartungsdruck nicht dazu verfĂźhren lassen, mit groĂer Geste gleich in seinem zweiten Buch ein frĂźhes Versprechen prompt und pompĂśs einzulĂśsenâ, urteilt Reinhard Baumgart in der Zeitcite-ref-autogenerated3-5-1[5]. Vielmehr âlaboriereâ der Band âin einem merkwĂźrdig waghalsig embryonalen Zustand, als gäbe es diese Spanne zwischen Texterzeugung und Textgeburtâ. Es âprĂźft hier das Erzählen fortlaufend sich selbst, seine Voraussetzungen und Bedingungen, immer wieder hinaustastend in MĂśglichkeiten der Fiktion und immer wieder, geradezu emphatisch zurĂźckweichend in ein schĂśnes Gefängnis aus nichts als Sprache, ein gläsernes, aber dichtes Gehäuseâ. Die Dichte der Verweise, mit denen Hettche seinen Text anreichere, fĂźhre dazu, âdaĂ die Sprachspiele durch einen schĂśn mitraunenden Resonanzraum laufenâ. âInkubationenâ sei ein âKunststĂźck einer coolen Sprachsinnlichkeit und in ihr die eindrucksvolle VerkĂśrperung, ja geradezu Fleischwerdung jenes Jammers Ăźber das Ende der Fiktionenâ.
NOX. Roman
Hettches zweiter Roman NOX erschien 1995 und wurde äuĂerst kontrovers aufgenommen. âThomas Hettche riskiert, was noch kein anderer westdeutscher Autor mit solcher Ernsthaftigkeit gewagt hat: die Nacht des 9. November 1989, die Ăźber Millionen Menschen in Ost und West so unerwartet hereingebrochen ist, zum Thema eines Romans zu machenâcite-ref-12[12] (Michael Bassecite-ref-13[13] in der SZ).
NOX, das seltene Beispiel eines Wenderomans aus westdeutscher Sicht, erzählt die Nacht des Mauerfalls als pornographische Groteske. Eine namenlose MĂśrderin, die gleich auf der ersten Seite des Romans dem Erzähler die Kehle durchschneidet, irrt durch das nächtliche, die Wiedervereinigung feiernde Berlin. Der tote, langsam verwesende Erzähler, Elemente des GroĂstadtromans in der Tradition DĂśblins (Wetterberichte, Zeitungsmeldungen), SM-Szenen von groĂem Pathos â all das unterlief die Erwartungen der Literaturkritik an einen Roman Ăźber die Deutsche Einheit.
Zur Wiederauflage des Romans 2003 schrieb Tom Kraushaar in Edit: âThomas Hettches NOX ist wie kaum ein anderer Roman der 90er Jahre Anlass zu Polemisierungen und Pauschalisierungen gewesen. Er brachte Kategoriebildungen hervor, die die Wahrnehmung und Produktion von Literatur nun fast zehn Jahre prägten. Wenn NOX heute als Neuauflage erscheint, dann erscheint ein anderer Text, ein Roman, der in unzähligen Rezensionen und Essays gleichsam weitergeschrieben wurde. Betrachtet man den Roman heute, dann ist er untrennbar vernetzt mit den vielen literaturkritischen Debatten der 90er Jahre zu postmoderner Theorie, neuem Realismus, Pop-Literatur etc. Vielmehr besteht die Bedeutung der Rezeption von NOX in ihrer Vernetzung mit bestimmten Debatten der Literaturkritik der 90er Jahre. Thomas Hettche war zwar 1995 das, was man heute unter einem Jungautor versteht, zugleich repräsentierte er aber das literarische Establishment der frĂźhen 90er Jahre. Bei der Auseinandersetzung mit ihm geht es um die Konfrontation mit einer ganzen literarischen Traditionslinie. Endlich sollte die Dominanz einer theoretisch-intellektuellen, einer selbstreferenziellen und innerlichen Literatur gebrochen werden. Und es gelang der Literaturkritik insbesondere durch die Radikalität und Schärfe der Polemik gegen Texte wie NOX, althergebrachte Kategorien aufzulĂśsenâ.cite-ref-14[14]
Animationen
1999 publizierte Hettche Animationen, einen âRomanessayâ, wie es im Klappentext heiĂt, mit dem der Autor im selben Jahr bei Christa BĂźrgercite-ref-15[15] an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main in Literaturwissenschaft promoviert wurde. Animationen entwickelt erzählend-reflektierend auf der Folie Venedigs Elemente einer Medientheorie aus der Geschichte von Anatomie und Pornographie, wobei Hettche sich weitausgreifend mit Goethe und Flaubert, Tizian, Montaigne und Casanova, dem Anatomen Andreas Vesalius und vor allem Pietro Aretino beschäftigt und dabei ein âFeuerwerk der BezĂźge abbrenntâcite-ref-autogenerated4-16-0[16] (Hubert Winkels in Die Zeit).
Dietmar Dath schrieb in SPEX Ăźber die âbalsamische Wirkung eines zum Text auskomponierten intellektuellen Erlebnisses, das wahrhaftig Ăźber den Atem und die Geduld, die Liebe und die FĂźrsorge gebietet, seiner eigenen sprachlichen Objektivation mit allen auch noch so heteronomen Aspekten seiner Gestalt zuzuarbeiten, weit Ăźber die begrenzten Mittel hinaus, die ich zu dieser historisch wahrhaft späten Stunde aus meinem Wort- und Kategorienbestand noch herbeizitieren kĂśnnte, um ihr TrĂśstliches zu beschreiben. (âŚ) Die Klarheit, mit der zahlreiche aufgerufene Quellentextmomente, das Âťlächelnde MädchenÂŤ bei Goethe etwa, Flauberts Reiseaffektationen, kulturgeschichtliche Chronika etc., weitsichtig in ihrer letztlich nicht aufhebbaren Unschärfe, gegenseitigen Abhängigkeit etc. belassen werden, ist beispielhaft und anrĂźhrend. Keine Idee in diesem Buch ist der Ăźbersprudelnden Aufgekratztheit eines Schlaumeiers entsprungen, jede legitimiert sich vielmehr dadurch, dass ihr immer noch andere folgen kĂśnnen, dass dies noch nicht das Ende ist, man auch kein Ende will, kein Besserwissen. (âŚ) Was in ÂťAnimationenÂŤ erzählt wird, sind dagegen GedankenGĂNGE, ein Wissen im Werden, fast wie bei Ernst Blochs ÂťSpurenÂŤ eigentlich (âŚ). Und das, dieses gewissermaĂen in so andeutungsreicher wie expliziter Sprache aufgehobene Dezente, dem andererseits von einer gar nicht dezenten Neugier die vorbildlich feinjustierte Waage gehalten wird, ist die heimliche Grundmelodie, die der ausgeschriebenen Partitur ÂťAnimationenÂŤ ihre SchĂśnheit schenktâcite-ref-17[17].
Der Fall Arbogast. Kriminalroman
Der Fall Arbogast, erschienen 2001, basiert auf dem historischen Kriminalfall um Hans Hetzel und erzählt die Geschichte eines Aufsehen erregenden Justizirrtums in den 1950er Jahren. Der Roman, der zum Besteller und in zwÜlf Sprachen ßbersetzt wurde, galt der Literaturkritik wegen der dramaturgisch durchkomponierten und filmhaften Erzählweise, bei der Hettche erstmals stark mit Dialogen arbeitet und mit unterschiedlichsten Figuren detailgenau ein Stßck bundesrepublikanischer Nachkriegsgeschichte entwirft, als Zäsur im Werk des Autors, als Hinwendung zu neuen Themen und einem realistischeren Erzählen.
Felicitas von Lovenberg sieht in der âSchilderung von beklemmender Intensität [âŚ] einen Schriftsteller, der gelernt hat, souverän mit seiner Kunst umzugehen. Jeder Satz steht wie gemeiĂeltâcite-ref-18[18], schreibt sie in ihrer Rezension in der FAZ. Der Autor habe sich âeinen ungewĂśhnlichen Stoff ausgesucht, um sein zentrales Thema von KĂśrper und Gewalt fortzufĂźhrenâ; der Roman zeige aber, âdaĂ der Sprachvirtuose Hettche seine Themen nicht mehr nur kaltblĂźtig inszeniert und seziert, sondern den Menschen neben Obsessionen auch GefĂźhle zugestehtâ. Wobei er es âgeschickt (vermeide), uns Arbogast so nah zu bringen, daĂ er einem geheuer wĂźrdeâ â zwischen der âmächtigen Gestaltâ âArbogast und seiner Umwelt, zwischen Hettche und seinem Protagonisten und letztlich auch zwischen Roman und Leser bleibt eine Distanz wie zu einem Raubtier im Zoo, das man durch die Stäbe bewundertâ.
FĂźr Ijoma Mangold besteht der âkĂźnstlerische Coup dieses groĂen Buchesâcite-ref-19[19] in der Installation eines allwissenden Erzählers, âder alles und zugleich doch nicht mehr als jeder andere wache Mensch auch sieht und weiĂâ. Diese âtransempirische Autorperspektiveâ schaffe einen âschillernd-faszinierende(n) Realismus, der weit mehr umfasst, als einer bloĂen Dokumentation zugänglich wäreâ, schreibt er in der Berliner Zeitung. Durch den âReichtum an Beobachtungen, den Hettche in seinem Meisterwerk zusammenträgtâ, verschlĂśsse er den Roman âgegen die Interpretationsanmutungen unserer LektĂźregewohnheitâ: âIndem Hettche seinen Kriminalroman so vollständig vor Symbolisierungen abdichtet, gerät die gesamte, so realistisch dargestellte Wirklichkeit ins Schwirren, schlägt um in einen neuen Status und wird greifbarer und Ăźbermächtiger, als es nur je irgendein Symbol vermĂśchteâ. So bliebe ein âuneinholbarer Restâ, âfĂźr (den) es in den Begriffen unserer Wirklichkeit keinen Ort gibtâ.
Auch Heinrich Deteringcite-ref-20[20] ist in seiner Besprechung fĂźr Literaturen voll des Lobes fĂźr Hettches âperspektivische(n) Realismusâ.cite-ref-21[21] Sein âernste(r), aufmerksame(r), jederzeit konzentriert beobachtende(r) und selbst nie zu fixierende(r)â Erzähler fĂźhre âsouveräne Zeitregieâ und vermittele âjene Nuancen des Empfundenen und Gedachten, die sich der Sprache nur widerstrebend fĂźgen, zuweilen so eindringlich, dass man Ăźber diesen Schilderungen deren eigene Sprachgebundenheit streckenweise vergisstâ. Hettches Wille zum Stil sei nur âganz selten [âŚ] Ăźberanstrengt oder anachronistischâ, âdie erzähltechnische Perfektion dieses Buches [âŚ] so auffallend, dass man manchmal befĂźrchtet, sie auf der nächsten Seite als bloĂe Artistik vorgefĂźhrt zu sehen â und jedesmal wahrt der Erzähler gelassen die Balanceâ. âIn der reinen Suggestionskraft dieser Prosaâ liege âder tiefste Grund aller Spannungâ: âWas sich hier sagen lässt, wird mĂśglichst offen gesagt â und markiert gerade so die Grenzen zu jener geheimnisvollen Weite, die von der Sprache kaum erreicht wirdâ. Hettches âGeschichte ohne AuflĂśsung [ist] ein perfekter Kriminalroman: eine Ăberbietung des Genresâ. âEtwas Besseres als dieser Autor konnte dem Stoff gar nicht passierenâ.
Woraus wir gemacht sind. Roman
Woraus wir gemacht sind (2006), Thomas Hettches vierter Roman, erzählt die Geschichte um einen Biographen, dessen Frau bei einer Recherche-Reise in die USA entfßhrt wird. Darin greift Hettche wiederum auf Elemente eines Kriminalplots zurßck, zeichnet aber vor allem ein Bild der USA am Vorabend des Irakkriegs. New York, Texas, Los Angeles sind Stationen eines Road Movies, in dessen Verlauf der Held sich erst verlieren muss, um seine Frau wiederzufinden. Woraus wir gemacht sind stand 2006 auf der Short List zum Deutschen Buchpreis.
Ulrich Greiner ist begeistert von Hettches âsuggestive(r), hoch bewegliche(r) Spracheâ,cite-ref-22[22] die ihm selbst dann, wenn sie âan den Rand des Zuträglichen geht und manchmal darĂźber hinausâ âzehnmal lieber (ist) als diese schreibschulmäĂige Ausgewogenheitsprosa, die man jetzt Ăźberall findetâ. Hettche fĂźhre seine Leser âzu einer Grenzerfahrung, nämlich zu der beunruhigenden Tatsache, dass wir uns selber nie ganz sicher sein kĂśnnen, dass wir uns zuweilen verlieren und nicht genau wissen, woraus wir gemacht sindâ, und allein darauf komme es an. Greiner formuliert in der Zeit: âDas SchĂśne, auch Beunruhigende an Hettches Buch ist dieser phantasmagorische Reigen der Bilder, die dem Leser im Gedächtnis bleiben. Sie haben mit dem zu tun, was wir alle sehen und gesehen haben, ohne dass wir es uns immer bewusst halten kĂśnnten: die Bilder vom 11. September, die eingesickert sind in unsere Träume; die Vorstellungen vom amerikanischen Mythos, wie sie uns das Kino, die Werbung, auch eigene Anschauung vermittelt. Niklas Kalf ist einer, den der Zufall hinabwirft in diesen Abgrund der Bilder, bis er kaum mehr weiĂ, was Liebe ist, wer er selber ist â und noch die glĂźckliche Heimkehr gleicht ja eher einem Traum als der Realität. Wobei wir eigentlich wissen kĂśnnten, dass wir von einem Roman Realität am wenigsten dann erwarten kĂśnnen, wenn er scheinbar realistisch daherkommt. Dieser Roman ist eine Versuchsanordnung, ein intelligentes, ein lehrreiches Spiel. Hettche kann wasâ.
FĂźr Heinrich Wefing, der den Roman in der FAZ bespricht, ist der Roman âein zarter, verstĂśrender Versuch Ăźber das, was wir Liebe nennen, und ein intelligentes Spiel mit all den Bildern von Amerika, die jeder von uns mit sich herumschlepptâcite-ref-23[23] und âeines der faszinierendsten BĂźcher Ăźber Amerika (âŚ), das seit langem in Deutschland geschrieben wurdeâ.
Das sieht auch Elmar Krekelercite-ref-24[24] in der Welt so: Hettche lasse seinen Protagonisten ein âAufräumen im intellektuellen Kinderzimmerâcite-ref-25[25] durchlaufen, dieser lerne auf allen Ebenen, und mit ihm lerne der Leser. Kalf sei Stellvertreter der Generation der damals Vierzigjährigen, die âin Thomas Hettche (ihren) Autor gefundenâ habe. Hettche habe einen Roman geschrieben, der âeine Menge Romaneâ enthalte (âeine Roadnovel, einen Amerikaroman, ein Angstbuch, ein Emigrationsbuch, einen Heimkehrerroman, eine Spukgeschichte, eine VerschwĂśrungsgeschichte, einen Wissenschaftsthriller, eine Faustvariation, einen Bildungsromanâ). Woraus wir gemacht sind sei jedoch vor allem âdie Geschichte eines Erwachsenwerdens [âŚ] mit Vierzigâ. Hettche bediene sich dazu eines Erzählgeflechts, in dem âjeder Satz, jedes Motiv, jeder Fadenâ bewusst gesetzt sei, und eines âpost-austerschen VerschwĂśrungsplot(s)â. âWas Hettche, einem der klĂźgsten Schriftsteller nicht nur seiner Generation, bisher kaum gelungen war, nämlich die Balance zu finden zwischen Poetologie und Prosa, zwischen Denken und Erzählen, das gelingt ihm hier. Sein Roman lässt sich wie eine Zwiebel häuten. Unter jeder Schicht steckt eine neue, jede hängt mit jeder zusammen, jede ist ein Abenteuerâ.
Fahrtenbuch 1993â2007. Essays
Das Fahrtenbuch 1993â2007 versammelt eine Auswahl von Essays, Reportagen, Film- und Buchkritiken Hettches, die zuvor in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften (u. a. in der FAZ, der NZZ und der DU) erschienen sind, fĂźr die Buchpublikation aber, wie es im Nachwort heiĂt, Ăźberarbeitet wurden. Auffällig an diesem Band ist vor allem die Bandbreite der Themen, mit denen Hettche sich im Laufe der Jahre beschäftigt hat. Neben Essays Ăźber die neuen Medien finden sich Reisereportagen aus St. Moritz, Bosnien und Los Angeles, Texte Ăźber Dracula, Patricia Cornwell, Meister Eckhart und Piero della Francesca.
Samuel Mosercite-ref-26[26] lobt in der NZZ, âdas Miteinander von unaufgeregter Erzählung und messerscharfer Analyse. Das eine Ăźbersetzt sich dabei zwingend ins andere â und zurĂźck. Kurze Beschleunigungen des Denkflusses oder umgekehrt die Verlangsamung der Wahrnehmungen markieren jeweils die Ăbergänge. Der Erzähler Hettche verfĂźgt in hohem Masse Ăźber das Handwerk eines erstklassigen Journalisten: Sinn fĂźr Zusammenhänge und ÂŤSubtexteÂť, eine niemals selbstzweckliche Universalbildung, eine schĂśpferische Sprache und eine leider selten gewordene Interventionslust. Seine unbestechlichen privaten Wahrnehmungen Ăźbersetzt er mit Ăberzeugungseleganz ins Allgemeineâcite-ref-27[27].
âMeist handelt es sich um Reiseberichte an geradezu museale Orte wie Sils Maria, Venedig und die Berliner Pfaueninsel, wo Vergangenheit hoch geschichtet ist und sich vor dem gebildeten Blick des Autors entblättert. An solchen historischen Stätten interessiert Hettche die Art und Weise, wie Kultur organisiert und Ăźberschrieben wurde: die kollektive Gedächtnisleistung, die sich in ihnen verbirgt. Dahin reist der Autor nicht wie seine Zeitgenossen, fiebrig, flĂźchtig und ruhelos, sondern eher wie ein Detektiv zum Tatort, einsilbig, aber hoch empfänglich, wohl wissend, dass jedes noch so kleine Detail womĂśglich fĂźr die Rekonstruktion des Geschehens unverzichtbar istâcite-ref-28[28], fasst Ingeborg Harms in ihrer Rezension in der FAZ Hettches Methodik und Thema zusammen. Sie lobt die âoriginellen KurzschlĂźsse wie den zwischen dem weltweiten Netz und Bram Stokers Spinnweb-Thriller âDraculaâ oder zwischen der wissenschaftlichen Erkundung des mutmaĂlichen Ufo-Absturzes bei Roswell und dem Prozess der Heiligsprechung in der katholischen Kircheâ, die âden AufschwĂźngen [von Hettches] Phantasie, dem Echoraum seines Wissens und den Meilenstiefelschritten seiner melancholischen Gedankenâ zu verdanken seien.
Die Liebe der Väter. Roman
In Die Liebe der Väter, erschienen 2010, erzählt Hettche von einem Vater, der mit seiner Tochter ßber Silvester eine Ferienwoche bei Freunden auf Sylt verbringt. Die Eltern der dreizehnjährigen Annika sind seit langem getrennt, der Vater hat fßr das Kind, das bei seiner Mutter lebt, kein Sorgerecht. Hettche schildert in seinem fßnften Roman die Schuldgefßhle und die Ohnmacht des Vaters, der vor dem Hintergrund der eindrßcklich beschriebenen Atmosphäre der stßrmischen, winterlichen Insel versucht, seiner Tochter näherzukommen.
âThomas Hettche zeichnet in seinem Roman mit grosser Suggestivkraft das stille Drama eines vielleicht unlĂśsbaren Konfliktes, der auch mit einer Revision des Sorgerechts nicht beseitigt und hĂśchstens entschärft werden kann. (âŚ) Und neben alledem erzählt der Roman in bald zartem, bald grimmigem Ton, mit anrĂźhrenden Bildern und manchmal fast wortlosen Dialogen auch von der Liebe der Väter, die eine andere sei als die der MĂźtterâ,cite-ref-29[29] urteilt Roman Buchelicite-ref-30[30] in der NZZ.
Sandra Kegelcite-ref-31[31] sieht in der FAZ âeinen alten poetologischen Trickâcite-ref-32[32] am Werk, âdamit aus dem vertrauten Erlebten und GehĂśrten groĂe Literaturâ werden kĂśnne: Die einzig aus dem âdistanzlosen, zutiefst parteiischen Blickâ des Vaters, âunzuverlässiger Erzähler im klassischen Sinnâ, erfolgende Schilderung wecke âmit unserem Mitleid gleichzeitig unser Befremdenâ, so dass âwir mit dem Autor wissen, dass diese Geschichte auch ganz anders erzählt werden kĂśnnteâ. Hettches Ansatz sei ein psychologischer, der Roman âkein argumentativ aufgeladenes Plädoyer fĂźr mehr Gerechtigkeit (âŚ), sondern ein faszinierendes Porträt eines aus der Bahn geworfenen, zunehmend verstĂśrten Mannesâ. Sie resĂźmiert: âHettches Roman ist ein GlĂźcksfall, komplex, vielschichtig und geschrieben in einer artifiziellen Sprache, die der Emotionalität des Geschehens mit wohltuend nĂźchterner KĂźhle begegnetâ.
FĂźr Jens Jessen in der Zeit ist âDie Liebe der Väterâ âĂźberhaupt kein Roman (âŚ), es ist eine klassische, vollendet knappe und kontrolliert erzählte Novelle (âŚ). (âŚ) auch in der Beschränkung von Zeit und Ort â es ist aber ein groĂes Werk in Tiefe und Weite der Gedankenâcite-ref-33[33].
Thomas Hettche äuĂerte in Interviews, der dem Roman vorangestellte Satz âLiteratur beginnt jenseits dessen, was istâcite-ref-34[34] habe sich fĂźr ihn jedoch âauf eine unerwartete Weise bewahrheitet, nämlich insofern, als der Ausgangspunkt der biografischen Erfahrung sich beim Schreiben tatsächlich verwandelt hat. Das war ein Schreibprozess, wie ich ihn bisher nicht kannte, der wirklich etwas Kathartisches hatte und bei dem all die Aggressionen, Verletztheiten und Frustrationen, die ihn zu Anfang trieben, sich verwandelten. Als ob ich mit dem Abschluss des Romans auch mit der Welt dieser Erfahrung abgeschlossen hätteâ. Er schreibe Romane, âweil ich, zunächst und vor allem fĂźr mich selbst, etwas Unausgesprochenes formulieren oder mit etwas ins Reine kommen will. Und weil ich darĂźber hinaus daran glaube, dass Leser einen Gewinn aus der komplexen Welt ziehen kĂśnnen, die jeder gute Roman istâcite-ref-35[35].
Totenberg. Essays
Totenberg, vom Verlag als Essayband und âAutobiographie in zehn Begegnungenâ. angekĂźndigt, komponiert zehn Texte, die alle zugleich Gespräche und Essays sind (Hettche selbst nennt sie âBegegnungenâcite-ref-36[36] oder âReisenâ), zu einem persĂśnlichen (Lebens-)Panorama des Autors. Dabei steht jede autobiographische Mitteilung zugleich fĂźr ein Thema seines Schreibens. Namensgebend ist der dritte Text, in dem Hettche in den Ort seiner Kindheit zurĂźckkehrt, der am Totenberg liegt.
Die Rezensenten zeigten sich begeistert von diesem Band, der âalles andere denn eine konventionelle Nacherzählung des Privatlebens von Herrn Hettcheâcite-ref-37[37] sei, nämlich âeine Sozialisationsstudie in zehn Kapitelnâ, in denen Hettche beschreibe, âwie er intellektuell und literarisch der wurde, der er istâ und âin lebendigen Porträts die Personen, die ihn bei seinem Werdegang â im konkreten wie im Ăźbertragenen â Sinn begleitetenâ vorstelle, wie Ursula März in ihrer Kritik fĂźr Deutschlandradio formuliert. Der âReiz des Buchesâ liege âauf den ersten Blick [âŚ] in den Divergenzen dieser Personenâ; âauf den zweiten Blickâ besteche Hettches âkonzentrierter, Ăśkonomischer Gestus. Jede Selbstmitteilung des Autors steht im Interesse einer kulturgeschichtlichen Selbsterkenntnis, jede Selbstreflexion Ăśffnet sich wie von selbst zu einer exemplarischen Gegenwartsgeschichte der Bundesrepublik. âTotenbergâ zeigt Thomas Hettche auf der HĂśhe seines stilistischen und essayistischen VermĂśgens. Und nebenbei verhilft dieses Buch dem abgewirtschafteten Genre der Autobiografie zu neuem Glanzâ.
Auch Nico Bleutge lobt in der SZ, âwie Thomas Hettche mit seinem dialogischen Prinzip die Grundthese des Buches, stets auf etwas bezogen zu sein, auch im Verfahren und in der Form seiner Texte einholtâcite-ref-38[38]: Hettche lagere âin diese Porträts die eigene Biografie einâ, er spĂźre âRäumen und Interieurs [âŚ] im Wortsinne nach, er tastet sie auf ihre Atmosphären hin ab, um so etwas Ăźber die Menschen, die in ihnen leben, zu erfahrenâ, und setze sich zudem in der âreflexiven Schichtâ seiner Texte âmit Ăberlegungen von Autoren [âŚ] auseinander und versucht sich an einer Analyse und Deutung unserer gesellschaftlichen Gegenwartâ. Hettche sei âein sehr lesenswertes Buch Ăźber den medialen Wechsel dieser Zeit gelungen. Man findet in seinen zehn Essays groĂartige Ăberlegungen zur Literatur, zum Schreiben oder zu dem, was Kindheit sein kĂśnnte. Kleine Motive und Variationen halten die einzelnen StĂźcke jenseits der Thesen zusammenâ.
Mit Totenberg vollzieht Hettche, âden man mit Recht einen der beeindruckendsten Sprachakrobaten seiner Generation zu nennen hatâcite-ref-39[39], laut AndrĂŠ Schinkel auf literaturkritik.de âwomĂśglich die Vollendung eines Dreisprungsâ in seiner Essayistik: ânach dem gebĂźndelten Blick der âAnimationenâ (1997), der Zerstreuung und dem Abstecken der äuĂeren Claims im âFahrtenbuchâ (2007) erkundet sie im neuesten Opus die Dimensionen des Eigenen, die Entwicklung, Formung, Deformation der inneren Umstände, zu dem zu werden, der man istâ. In einer âentlarvende(n), kristalline(n) Spracheâ fĂźhre Hettche diese âformenden Elementeâ vor, âam eindrĂźcklichsten in den Texten, die den Schutz der Gespräche verlassen und sich in die Auslieferung der Selbstschau begebenâ.
FĂźr Michael Preidel, der das Buch fĂźr die Kritische Ausgabe rezensierte, ist Totenberg âein Werk, das den Autor zu Personen oder Orten seiner Vergangenheit zurĂźckfĂźhrt und in den Begegnungen eine Konfrontation mit der eigenen Identität provoziertâcite-ref-40[40]: âThomas Hettche macht deutlich, dass es ihm in seiner Literatur um ein GespĂźr fĂźr die Zeit geht. Er sieht sich als ein Wanderer zwischen den Welten, dessen literarisches Schaffen und theoretisches Räsonieren immer wieder von einer Neugierde ausgeht, die einerseits an den Fund der leeren Truhe der Mutter, andererseits aber auch an die zeitlose Erfahrung geknĂźpft ist, dass der Ursprung des Schreibens und Denkens im Kampf mit der eigenen Identität liegtâ. Hettche nutze âdie kreative Freiheit, die sich ihm im autobiografischen Schreiben erĂśffnet, und beweist zugleich, dass der Anspruch seines Erzählens hoch ist. Ihm geht es in seinen Essays um die echte Nachträglichkeit der Erinnerungenâ.
Und Denis Scheck äuĂerte im Gespräch Ăźber das Buch in der Kulturzeit auf 3sat: âAlle Qualitäten, die der Prosa von Peter Handke nachgesagt werden, dass hier Poesie und Erkenntnis miteinander versĂśhnt werden, das finde ich viel, viel eher und viel moderner in âTotenbergâ von Hettcheâcite-ref-41[41].
Pfaueninsel. Roman
In seinem gleichnamigen Roman (2014) lässt Thomas Hettche die vergessene Welt der Pfaueninsel in der Havel bei Potsdam wieder auferstehen. Diese Insel, die im 19. Jahrhundert von LennĂŠ und Schinkel zu einem kĂźnstlichen Paradies umgestaltet wurde, war RĂźckzugsort der PreuĂenkĂśnige und von zahlreichen exotischen Tieren sowie von Zwergen, einem SĂźdseeinsulaner, einem Riesen und einem Mohr bevĂślkert. Der Roman erzählt das von Hettche erdachte Leben des historisch verbĂźrgten kleinwĂźchsigen Schlossfräuleins Marie, das nahezu sein gesamtes Leben auf der Insel verbrachte, und die tragische Geschichte seiner Liebe zum GartenkĂźnstler Gustav Fintelmann. Auf Ăźbergeordneter Ebene handelt Pfaueninsel von der Zurichtung der Natur und unseren Vorstellungen von SchĂśnheit, von der Sehnsucht nach Exotik, der WĂźrde des Menschen, dem Wesen der Zeit und dem Verhältnis von Kunst, Wissenschaft und Natur.
Rezensenten lasen den Roman auch als âVerfallsgeschichte eines Idylls im Strom der Zeitâcite-ref-42[42] (Michael Klugercite-ref-43[43] in der Frankfurter Neuen Presse); als âexemplarische Darstellung einer Zeitenwendeâcite-ref-44[44] und âverdichtete Geschichte des technischen und mentalitätsgeschichtlichen Fortschritts im 19. Jahrhundertâ (Sebastian Hammelehlecite-ref-45[45] im Spiegel), als Roman Ăźber âdas Wesen der Zeit und das Rätsel der Sterblichkeit, die Fragilität der SchĂśnheit und die AbgrĂźndigkeit des Begehrensâcite-ref-autogenerated7-46-0[46] (Andrea KĂśhlercite-ref-47[47] in der NZZ); oder als âliterarische Reflexion Ăźber die ObszĂśnität der Menschennaturâcite-ref-48[48] (Johannes Ballecite-ref-49[49] im KĂślner Stadtanzeiger).
In Pfaueninsel verarbeitet Thomas Hettche einen Stoff, der ihn seit fast fĂźnfundzwanzig Jahren beschäftigte: Noch vor Erscheinen seines DebĂźts stieĂ er während eines Stipendiums in Berlincite-ref-50[50] schon 1989cite-ref-autogenerated1-51-0[51] auf die Insel und das Schlossfräulein Maria Dorothea Strakon. 1993 verĂśffentlichte er in der FAZ eine Reportage,cite-ref-52[52] in der er von seinem Besuch auf der Pfaueninsel erzählt. In einem Interview erklärte Hettche: âIch habe den Roman erst schreiben kĂśnnen, als ich mir eingestanden hatte, dass ich nichts als das Leben meiner Figur Maria Dorothea Strakon erzählen will, und mich nicht länger mit Konzeptionen herumgequält habeâ.cite-ref-autogenerated5-53-0[53]
Andrea KĂśhlercite-ref-54[54] zeigt sich in ihrer Besprechung in der NZZ begeistert von Hettches âlebensklugem, sorgfältig recherchiertem und glänzend erzähltem Romanâ,cite-ref-autogenerated7-46-1[46] der âden 1964 geborenen Schriftsteller als einen der besten Stilisten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ausweistâ. Hettches âwahre Stärkeâ sei âseine bestechende Fähigkeit, die Komplexität der Welt in einer nuancierten und federnden Sprache aufleuchten zu lassenâ; âfaszinierendâ sei es, âwie Hettche den Siegeszug der technischen Rationalität mit dem Jenseitigen der Vernunft konfrontiert und das zeitlose Reich der Mythen mit der unbeirrbaren Zielgeraden des Fortschritts verschränktâ. âIn seinen philosophischen Reflexionen weht der befreiende Atem der Literaturâ.
Michael Braun lobt in der Badischen Zeitung, âwie (Hettche) dabei mit der kulturhistorischen Patina des Stoffs umgeht, ist das MeisterstĂźck eines Autors, der es bislang immer verstanden hat, mit jedem neuen Buch sein Genre und sein stilistisches Register zu wechseln und uns in eine gänzlich andere Welt und neue existenzielle ZerreiĂproben zu versetzenâ.cite-ref-55[55] Dass er seine âliterarische Erfindungâ der Liebesgeschichte zwischen Marie und dem Gärtner Gustav Fintelmann ins Zentrum stelle, ermĂśgliche Hettche, âdas rein historisierende Erzählen hinter sich zu lassenâ und âall seine kulturphilosophischen, anthropologischen und liebestheoretischen Exkurse zu entfalten, mit denen er seinen Roman reich ausgestattet hatâ.
Auch Hubert Winkels ist beeindruckt, wie Hettche âden kulturgeschichtlichen Essay nahtlos mit dem historischen Roman und einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte zu verbinden weiĂâ.cite-ref-56[56] Hettche stelle âdas Fremde und MonstrĂśseâ und unseren Umgang damit im âimmer vernĂźnftiger werdende(n) (âŚ) beginnende(n) Maschinenzeitalterâ ins Zentrum des Romans, und âwie Hettche dies einfädelt und durchhält und auf alle Schichten des Romans verteilt, auf das Sexuelle, die Architektur, den Gartenbau, das macht seine Kunst der Amalgamierung, der inneren Verschmelzung aller Teile ausâ. Es sei ein âGlĂźcksfall, dass dies so gut austariert, stilistisch auf hohem Niveau, wohltemperiert und vor allem: Wissen und Erkenntnis mit Anteilnahme und Leidenschaft mischend, geschiehtâ.
Der Autor selbst äuĂerte in Interviews, âdie eigentliche Keimzelle des Buchesâcite-ref-autogenerated6-57-0[57] sei die Frage gewesen, âwie hat sich damals ein Mensch gefĂźhlt, der nicht der Norm entsprach, aber an einem Ort der Sehnsucht und der SchĂśnheit lebte?â. Der Stoff habe ihn gefunden, nicht umgekehrt: âEs ist eher so, dass man mit einer Art Schleppnetz durch die Welt geht, bewusst ziellos, in dem dann alles MĂśgliche hängenbleibtâ.cite-ref-58[58] âZunächst wisse man gar nicht genau, was die Faszination einer Geschichte ausmache. "Doch dann beginnt sie zu leben und lässt einen nicht mehr los"â.
Die Insel, sagte Hettche, sei âein kĂźnstlicher Ort, der nacheinander die SehnsuchtsentwĂźrfe vieler Zeiten beherbergteâ; âwir Heutigen kĂśnnen an dieser Insel die Genese unserer Moderne ablesenâcite-ref-autogenerated5-53-1[53] (im Gespräch mit Andreas Platthaus in der FAZ). Er habe âdas Vergehen der Zeit und auch die GleichgĂźltigkeit gegenĂźber dem Vergehen der Zeit (âŚ) erzählenâ wollen; âvor allem ging es mir um das GefĂźhl, dass man den Wandel nicht Ăźberschaut. Man steht, glaube ich, immer halb in einer vergangenen, halb in einer kĂźnftigen Epoche. Und das ist das Aktuelle in dem Buch. Wir ahnen mehr, dass etwas vergeht und etwas kommen wirdâcite-ref-autogenerated1-51-1[51]. Es sei heute mehr denn je Aufgabe der Literatur, der Bedrohung durch die Reduzierung âalle(r) Phänomene der realen Welt auf ihre handhabbaren medialen Surrogateâcite-ref-autogenerated5-53-2[53] etwas entgegenzusetzen. âDas SchĂśne an der Kunst ist ja, dass sie, wenn sie gelingt, das ZauberkunststĂźck beherrscht, Komplexität in Einfachheit zu verwandelnâ.
Die Geschichte habe sich âaus dem Klang der Spracheâcite-ref-autogenerated6-57-1[57] ergeben: âWenn ich zu schreiben beginne, ist das Entscheidende, ebendiesen ganz eigenen Ton zu finden, denn erst der Ton ermĂśglicht die Geschichte, zaubert sie hervorâ.cite-ref-autogenerated5-53-3[53] Dazu mĂźsse er sich auf âeine Reise in eine fremde Weltâ begeben, auf âeine(âŚ) Expedition, deren Ergebnis man nicht absehen kannâ.cite-ref-autogenerated6-57-2[57]
Eine topografische Karte der Insel auf einer vom Verlag eingerichteten interaktiven Websitecite-ref-61[61] beinhaltet 24 von Dagmar Manzel gelesene Passagen aus dem Roman.
Unsere leeren Herzen. Ăber Literatur. Essays
âWelche TrĂśstung kann Literatur fĂźr unsere leeren Herzen heute noch sein?â, fragt der Klappentext von Unsere leeren Herzen, dem 2017 erschienenen Essay-Band. In 21 Texten beschäftigt sich Hettche mit unterschiedlichsten Autoren und Genres, u. a. mit Thomas Mann, Louis Stevenson, Ernst JĂźnger, Paulus BĂśhmer, Wolfgang Koeppen und Karl Ove KnausgĂĽrd.
FĂźr Nico Bleutge (Neue ZĂźrcher Zeitung) ist Hettche ein âglänzender Essayistâ,cite-ref-62[62] der den Versprechen des Internets von Freiheit und Gleichheit, die sich längst als verfehlt erwiesen hätten, auf sehr empathische Weise die Literatur entgegenhalte. Er setze sich fĂźr einen Realismus als âliterarische Haltung zur Weltâ ein, die das Tatsächliche in den Blick nehme und es zugleich deute. âIn enger TuchfĂźhlung mit seinen Leseerlebnissenâ entwickle Hettche seine Thesen, die er aus unterschiedlichsten Perspektiven wiedergebe â ob aus der des Analytikers, des Erzählers oder des erinnernden Ichs.
In seinen Essays begebe sich Hettche âauf die Suche nach den WidersprĂźchen und dem WidersprĂźchlichem in unserer Zeit, die von Terror erschĂźttert und von der Digitalisierung heimgesucht wirdâ.cite-ref-63[63] schreibt Karin Janker in der SĂźddeutschen Zeitung. Der Autor stelle hohe Erwartungen an den Gegenstand seiner Reflexionen. Zu Recht, findet Karin Janker: âDass die Literatur diese Versprechen halten kann, beweist das schmale Buch selbst.â
Auch laut Wiebke Porombka (Frankfurter Allgemeine Zeitung) verwehrt Hettche sich erfolgreich âgegen schnĂśden Kulturpessimismus und beschwĂśrt die Kraft der Literaturâ.cite-ref-64[64] Statt in Alarmismus zu verfallen, gelinge es ihm, âDenkräume [aufzuschlieĂen], in denen nicht Niedergang subsumiert wird, sondern die MĂśglichkeiten der Literatur verhandelt werdenâ. Seine Essays seien fundierte, materialreiche, gleichzeitig aber bewusst literarisch gehaltene Reflexionen, die einen Schwebezustand bewahrten, âder sie davor schĂźtzt, der Literatur programmatische Schularbeiten aufzugeben, sei es als Verpflichtung auf politisches Engagement oder auf artistische Virtuositätâ. Hettche stoĂe mit diesen Essays eine Vielzahl von Denkbewegungen an.
Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste
Ein zwÜlfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tßr auf einen Dachboden, wo Prinzessin Li Si, der klappernde Tod, Kater Mikesch und ein sprechender Storch auf es warten. Vor allem aber trifft es jene Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegrßndet und berßhmt gemacht hat. Sie beginnt im Zweiten Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, fßr seine kleinen TÜchter eine Marionettenbßhne baut. In der Bombennacht, die 1944 Augsburg zerstÜrt, verbrennt sie zu Schutt und Asche. Herzfaden erzählt, wie Walters Tochter Hatß mit ihren Freunden dieses Puppentheater wiederauferstehen lässt und ihr neues Leben in den Ruinen erprobt. Es ist die Geburtsstunde von Figuren, die legendär geworden sind, wie dem Urmel aus dem Eis oder Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivfßhrer.
âKann man so die deutsche Geschichte erzählen? Wie aus einem gemĂźtlich knarrenden Lehnstuhl? Mit Geschichten, die aus dem milden Schein der Lampe kommen und doch ein grelles Licht auf die Vergangenheit werfen sollen?â, fragt Paul Jandl in der NZZ und fährt fort: âOffensichtlich kann man das. Das Buch heisst Herzfaden. Es ist ein Märchen Ăźber die Wahrheit. Wer das fĂźr ein literarisches Paradox hält, der muss den neuen Roman von Thomas Hettche lesen, der uns durch die Paradiese der Kindheit treibt, um uns an der Pforte zur HĂślle zu entlassen.âcite-ref-65[65] Stefan Kister in der Stuttgarter Zeitung sieht es ähnlich. âEin Märchenspiel zwischen Himmel und HĂślleâ nennt er den Roman: âKeiner besitzt fĂźr die Unterhandlungen von SchĂśnheit und Schrecken ein feineres Ohr als Thomas Hettche, der mit seinem Roman Pfaueninsel schon einmal an die Gestade gefĂźhrt hat, wo sich die Wellen der Einbildungskraft an der Wirklichkeit brechen. Sind Marionetten die besseren Menschen? Sie haben zumindest den Vorteil, nicht dem niederziehenden Gesetz der Schwerkraft zu unterliegen.âcite-ref-66[66]
In der Zeit betont Christoph SchrĂśder, hinter der Geschichte der Augsburger Puppenkiste verberge sich eine andere Erzählung: âDass Thomas Hettche mit Herzfaden nun einen Roman der Augsburger Puppenkiste, so der Untertitel, vorgelegt hat, ist oberflächlich betrachtet richtig, doch ist es nur die halbe Wahrheit. Hettches Buch krallt sich unter der dezent nostalgisch angehauchten Leseoberfläche tief in den Urgrund der alten Bundesrepublik, deren beschwingte Anfangsheiterkeit und Sehnsucht nach leichter Unterhaltung sich als Gegenbewegung zu den traumatischen Erfahrungen der Kriegsgeneration deuten lässt.âcite-ref-67[67] Hettche selbst nennt im Gespräch mit Cornelia GeiĂler in der Berliner Zeitung als Ausgangspunkt des Romans âdie Erkenntnis, dass nicht die Vatergeneration, also der GrĂźnder Walter Oehmichen, wesentlich fĂźr die Puppenkiste war, wie wir sie alle kennen, sondern die Generation seiner TĂśchter. Das ist die Generation meiner Eltern, und ich weiĂ aus Erzählungen, dass diese Menschen, die ihre Kindheit im Faschismus erlebt haben, sich nach 1945 belogen und verraten fĂźhlten, weil sie ihre kindliche Begeisterung an etwas verschwendet hatten, das sich als grundfalsch herausstellte. Durch diese Erfahrung, scheint mir, ist jene Generation ihr Leben lang davor zurĂźckgewichen, sich noch einmal fĂźr etwas zu begeistern. Ich glaube, dass das prägend fĂźr dieses Land war.âcite-ref-68[68] Das betont auch Hubert Spiegel in der FAZ: âHettches Roman erzählt uns vom Traum eines ganzen Landes vom allmählichen Verfertigen der Unschuld beim Spiel der Marionetten.âcite-ref-69[69]
Kathrin Hillgruber verweist im Tagesspiegel darauf, Hettche habe âimmer wieder âHerzschriftenâ in Form von Romanen oder Essaysâ verfasst. âSie lesen sich als lebendiges Echo der deutschen Romantikâ.cite-ref-70[70] Und Helmut BĂśttiger verweist denn auch in der SZ auf die Bedeutung von Heinrich von Kleists Betrachtungen Ăźber das Marionettentheater fĂźr den Roman. âViele haben sich seither bemĂźht, herauszufinden, was es mit der von Kleist heraufbeschworenen âGrazieâ dieser Figuren und ihrem âWeg der Seele des Tänzersâ auf sich hat. Diesen Faden nimmt Thomas Hettche jetzt auf und umkreist das alte Geheimnis neu.â Der Roman erzähle dabei ânicht einfach die Geschichte dieses Theaters nach, von den in der Verzweiflung des Zweiten Weltkriegs entstandenen Marionetten des GrĂźnders Walter Oehmichen Ăźber die ersten AuffĂźhrungen in der Nachkriegszeit bis zum immer grĂśĂer werdenden Erfolg, sondern er geht weit darĂźber hinaus. In Form und Inhalt seiner Prosa verwandelt er sich der Ăsthetik dieser Kunstform an.âcite-ref-71[71]
Im Freitag resĂźmiert Tom Wohlfarth: âWie Thomas Hettche hier die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und ihrer GrĂźnder:innen mit den Geschichten ihrer hĂślzernen Bewohner und mit einem modernen Märchen verknĂźpft, das ist hochspannend, hinreiĂend â und das ist groĂe Kunst.âcite-ref-72[72] Das sieht Denis Scheck ähnlich: âMit Herzfaden ist Thomas Hettche ein groĂes erzählerisches Risiko eingegangen. Wie leicht hätte diese Geschichte an den Klippen des Kitschs zerschellen kĂśnnen. Sie ist aber ein literarischer Triumph.âcite-ref-73[73]
Sinkende Sterne. Roman
In Sinkende Sterne erzählt Thomas Hettche scheinbar autobiographisch, wie er nach dem Tod seines Vaters ins Schweizer Wallis reist, um das Ferienhaus zu verkaufen, in dem er als Kind mit den Eltern die Ferien verbracht hat. Er begegnet dabei seiner Jugendliebe Marietta wieder und ihrer Tochter Serafine. Doch was realistisch beginnt, entwickelt sich bald zu einer fantastischen Geschichte, in der nichts ist, was es zu sein scheint. Ein Bergsturz hat das Rhonetal in einen riesigen See verwandelt und das Wallis zurßck in eine mittelalterliche, bedrohliche Welt. Hettche schildert die alpine Natur und die längst vergessenen Lebensformen ihrer Bewohner, als käme ihnen in unserer von Identitätsfragen und UmweltzerstÜrung verunsicherten Gegenwart neue Bedeutung zu. Sein Erzähler denkt nach ßber Sindbad und Odysseus und Männlichkeit heute, lauscht Sagen vom Zug der toten Seelen ßber die Gipfel, begegnet einer unheimlichen BischÜfin und trifft eine Entscheidung, die sein weiteres Leben auf tragische Weise bestimmt. Sinkende Sterne ist eine radikale Bestandsaufnahme des Schriftstellers Hettche, kreist um die Fragen, welcher Trost im Erzählen liegt und was es in den Umbrßchen unserer Zeit zu verteidigen gilt.
FĂźr Philipp Theisohn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitungcite-ref-74[74] ist Sinkende Sterne âein Buch groĂer Trauer. Selten las sich Thomas Hettches Prosa so zerbrechlich, so verletzt.â Der Roman sei âSelbstauskunft und Kartographierung des ureigenen Terrainsâ Hettches, der sich damit gegen âdie trĂźgerische Allianz zwischen identitärem und poetischem Engagementâ positioniere.
Ăhnlich argumentiert Christoph SchrĂśder im Tagesspiegelcite-ref-75[75]: Hettche habe âein groĂartig komplexes Buch voller Erinnerungen, essayistischer Passagen und Landschaftssagen geschrieben. Damit setzt er sich auch gegen den ideologisch getĂśnten Missbrauch der Literatur zur Wehr.â SchrĂśder berichtet, Thomas Hettche habe in einem Gespräch erzählt, dass der Roman âin einem schmerzhaften Prozess der Selbstbefragung entstanden sei. Eine Art von Zwischenbilanz eines Schriftstellers, eine Reflexion darauf, was das Schreiben, was Literatur, was Kunst bedeuten und bedeutet haben. (âŚ) Es ist ein eleganter, bis ins Kleinste sprachlich ausgefeilter Roman mit einem bitteren Ende. Das Beharren auf der universellen GĂźltigkeit von SchĂśnheit ist der Ankerpunkt des gesamten Romans.â Mit dem Genre der Autofiktion, wie es derzeit in der Gegenwartsliteratur verstanden wird, habe der Roman nichts zu tun, âim Gegenteil: Er ist ein subtiler, weil ästhetisch aufgeladener Angriff auf identitätspolitische AuswĂźchse, hat aber zugleich die eigene Verantwortung dafĂźr im Blick.â Und der Kritiker schlieĂt: âThomas Hettche demonstriert in âSinkende Sterneâ eindrucksvoll sein KĂśnnen.â
Cornelia Geissler in der Frankfurter Rundschaucite-ref-76[76] sekundiert: Sinkende Sterne sei âein GlĂźcksfall von einem Roman.â Denn eine âganze Reihe von Themen, die unsere Gesellschaft, die Medien und die Blasen der Social Media heute beschäftigen, tauchen im Buch auf: Klimakatastrophe, Genderdebatte, toxische Männlichkeit. Sie sind hier eingeschrieben in eine Geschichte der Verunsicherung, der Selbst- und Sinnsuche. [âŚ] Dieser Roman lässt die Literatur um ihren Platz kämpfen gegen all die Bedenken, die Kategorien der Korrektheit, die Regeln des Nichtmehrsagbaren. âSinkende Sterneâ ist ein Beispiel dafĂźr, was Sprache kann, wenn man sie souverän zu nutzen versteht.â
Auch Hubert Winkels in der SĂźddeutschen Zeitungcite-ref-77[77] betont, dass Hettche in der âsehr speziellen philosophisch ausgreifenden und zugleich biografisch intimen Novelleâ, als die er Sinkende Sterne bezeichnet, âdie gesamte Entwicklung des Planeten aus dem Geist der Erzählungâ in Angriff nehme. âSelten hat jemand einen hĂśheren Begriff von der literarischen Kunst gehabt und musste ihn dann naturgemäà im Vollzug poetisch beglaubigen. Die Basis von allem ist das Meer von Homer, Odysseus zwischen Kirke und den Sirenen, dann folgt eine wilde Jagd von Sindbad, dem Seefahrer, William Butler Yeats und Proust, Rilke und Balthus und David Bowie. [âŚ] Dies unfallfrei wie aus einer zusammenhängenden Handbewegung ins Werk zu setzen, ist Hettches eigentliches KunststĂźck.â
Ăbersetzungen
Pietro Aretino: I Modi / Stellungen â Vom Anfang und Ende der Pornografie
1997 publizierte Hettche die erste deutschsprachige Ausgabe von I Modi, den erotischen Sonetten des Renaissance-Literaten Pietro Aretino, in der auch die Kupferstiche Marcantonio Raimondis enthalten waren, zu denen die Gedichte im 16. Jahrhundert entstanden. 2003 erschien eine groĂformatige bibliophile Neuausgabe, ergänzt durch einen Essay, in dem Hettche diesen âUrtext der modernen Pornographieâ anhand der BĂźcher etwa von Michel Houellebecq und Catherine Millet in eine Geschichte dieser literarischen Gattung einordnete.
In einem Interview erzählte Hettche, er habe Aretino während seines Aufenthaltes im Centro Tedesco di Studi Veneziani Mitte der 90er Jahre fßr sich entdeckt, als er sich in der Biblioteca Marciana am Markusplatz mit Handschriften und Drucken des 16. Jahrhunderts beschäftigt habecite-ref-78[78].
Literaturprojekte / Herausgaben
NULL
1999 gab Hettche im neugegrĂźndeten DuMont-Literaturverlag die Online-Anthologie NULL heraus, âFlaschenpost oder Adventskalender des letzten Jahrtausendjahresâcite-ref-79[79] und âeine langsam Ăźber das letzte Jahr des Jahrtausends hinwegwachsende Anthologie junger deutscher Literaturâ. Neben Rainald Goetzâ Abfall fĂźr allecite-ref-80[80] und den Autorenforen Am Poolcite-ref-81[81] und Forum der 13cite-ref-82[82] war NULL eines der ersten literarischen Projekte im Internet, das eine grĂśĂere Ăśffentliche Aufmerksamkeit fand: âein fein gestalteter und gut besuchter virtueller Ortâcite-ref-83[83].
FĂźr Netzkonzeption und Betreuung war Harald Taglingercite-ref-84[84] zuständig, Jana Hensel arbeitete redaktionell mit und gab auch die gedruckte Ausgabe von NULL mit heraus, die nach Abschluss des Projekts am 31. Dezember 1999 erschien. 37cite-ref-autogenerated2-85-0[85] Autoren schrieben und diskutierten ein Jahr lang auf NULL, ihre Kurztexte und Zeichnungen wurden durch Links und eine Textkarte miteinander in Beziehung gesetzt. Thomas Hettche steuerte als Herausgeber monatliche Editorials bei und fungierte als âHeadhunter, Lektor und Moderatorâcite-ref-autogenerated2-85-1[85].
In einem E-Mail-Interview mit der Zeit schrieb Thomas Hettche Ăźber Zielsetzung und Charakter der Anthologie: âUnter der Hand erscheint, erstmals meiner Einschätzung nach, tatsächlich das scheue Tierchen Literatur in seinem neuen Gehege Internet und läĂt sich beobachten und streicheln. Die NULL-Autoren begreifen das Netz offenbar als eine Halb-Ăffentlichkeit. Ihre Texte sind oftmals persĂśnlicher, unfertiger, mehr auf Dialog aus als sonstâcite-ref-autogenerated4-16-1[16].
âNULL bietet viel. Gedichte, Postkarten, Kollagen, Kurzgeschichten, deren Fortsetzungen; ein bisschen wie stille Post oder das Muster eines Quilts, der jenes Motiv aufnimmt und dann wieder ein vĂśllig neues einbringt und der doch e i n e Geschichte erzählt â die einer Familie oder die eines sich terminierenden Jahrtausendsâcite-ref-86[86].
Folgende Autoren waren an NULL beteiligt: Matthias Altenburg, Stefan Beuse, Marcel Beyer, Mirko BonnĂŠ, Jan Peter Bremer, Ulrike Draesner, John von DĂźffel, Aris Fioretos, Julia Franck, Arno Geiger, Katharina Hacker, Ingeborg Harms, Joachim Helfer, Alban Nicolai Herbst, Ulrich Holbein, Johannes Jansen, ZoĂŤ Jenny, Birgit Kempker, Angelika KlĂźssendorf, Steffen Kopetzky, Helmut Krausser, Judith Kuckart, Jo Lendle, Dagmar Leupold, Thomas Meinecke, Perikles Monioudis, TerĂŠzia Mora, Andreas Neumeister, Brigitte Oleschinski, Georg M. Oswald, Urs Richle, Kathrin Schmidt, Sabine Scholl, Leander Scholz, Burkhard Spinnen und Ilija Trojanow.
Buchmaschinen. Alte Erinnerungen und ihre neuen Speicher.
Vom 3. bis 5. November 2000 veranstaltete Thomas Hettche im Literaturhaus Frankfurt ein Symposion mit begleitender Ausstellung zum Thema Speichermedien, an dem u. a. Friedrich Kittler, Rainald Goetz, Brigitte Oleschinski und Manfred FaĂler teilnahmen.
Spycher: Literaturpreis Leuk
2001 erhielt Thomas Hettche von der Stiftung Schloss Leuk den Spycher: Literaturpreis Leuk zugesprochen, dessen Konzeption er von 2002 bis 2015 mitverantwortete und dessen Jury er in dieser Zeit vorsaĂ. Der Preis wird jährlich an Schriftsteller vergeben, deren literarisches Werk mit der Zweisprachigkeit des Schweizer Kantons Wallis korrespondiert, in dem er vergeben wird. Der Preis besteht in einem fĂźnfjährigen Gastrecht der Preisträger in dem mittelalterlichen Städtchen Leuk am Oberlauf der Rhone.
Edition Spycher
Von 2005 bis 2015 gab Thomas Hettche die Edition Spycher heraus, zunächst bei Urs Engeler Editor, seit 2009 im Verlag Sabine DÜrlemann Zßrich. Die Edition versammelt Texte der Preisträger des Spycher: Literaturpreises Leuk.
Zwei Raben: Literatur in Oberhessen
2019 initiierte er gemeinsam mit Dr. Erika Schellenberger-Diederich den Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen, der seit 2019 Stipendien an Schriftsteller im Atelierhaus des Oberhessischen Malers Otto Ubbelohde in GoĂfelden bei Marburg vergibt.cite-ref-87[87]
Empathische LektĂźre
Von 2018 bis 2020 fĂźhrte er als Honorarprofessor an der TU Berlin und in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin die Veranstaltungsreihe Emphatische LektĂźre durch, in der Heinrich von Kleists âErdbeben von Chiliâ (2018), Wilhelm Raabes âZum wilden Mannâ (2019) und Gottfried Benns âGehirneâ (2020) mit zeitgenĂśssischen Schriftstellern diskutiert wurden. Eingeladen waren Lukas Bärfuss, Aris Fioretos, Durs GrĂźnbein, Felicitas Hoppe, Daniel Kehlmann, Sibylle Lewitscharoff, Olga Martynova, Jakob Nolte, Ulrich Peltzer, Monika Rinck, Sabine Scholl, Katharina Schultens und Ingo Schulze.cite-ref-88[88]
Auszeichnungen
⢠1986: Preis des Jungen Literaturforums Hessen
⢠1987: Preis des Jungen Literaturforums Hessen
⢠1988: Hungertuch-Preis des Hessischen Literaturbßros Frankfurt am Main
⢠1989: Preis der Kärntner Industrie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt
⢠1989: Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin
⢠1990: Rauriser Literaturpreis
⢠1990: Robert Walser-Preis
⢠1993: Stipendium der Akademie Schloss Solitude
⢠1995: Stipendium des Centro Tedesco di Studi Veneziani in Venedig
⢠1996: Rom-Preis der Deutschen Akademie Villa Massimo
⢠1999: Stipendium der Villa Deciuscite-ref-89[89] in Krakau
⢠2001: Spycher: Literaturpreis Leuk
⢠2002: Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles
⢠2003: Kßnstlerischer Gast des Collegium Helveticum in Zßrich
⢠2004: Stipendium der Deutschen Akademie Rom fßr die Casa Baldi
⢠2005: Inselschreiber Sylt
⢠2005: Premio Grinzane Cavour fßr Der Fall Arbogast
⢠2006: Short List zum Deutschen Buchpreis mit Woraus wir gemacht sind
⢠2010: Long List zum Deutschen Buchpreis mit Die Liebe der Väter
⢠2013: Dßsseldorfer Literaturpreiscite-ref-90[90]
⢠2014: Short List zum Deutschen Buchpreis mit Pfaueninsel
⢠2014: Wilhelm Raabe-Literaturpreis
⢠2014: Bayerischer Buchpreis
⢠2015: Solothurner Literaturpreis
⢠2016: Wolfgang-Koeppen-Preis
⢠2016: Kßnstlerischer Gast am Kulturwissenschaftlichen Kolleg Konstanz
⢠2018: Hermann-Hesse-Literaturpreis fĂźr Unsere leeren Herzen. Ăber Literatur
⢠2019: Stipendium des Kßnstlerhauses Edenkoben
⢠2020: Robert-Gernhardt-Preis fßr sein Romanprojekt Im Arvenschatten
⢠2020: Short List zum Deutschen Buchpreis mit Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste
Publikationen
BĂźcher
⢠Ludwigs Tod, Paria Verlag, Frankfurt/Main 1988. ISBN 978-3-922952-11-4
⢠Ludwig muà sterben, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1989. Neuausgabe: Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2008. ISBN 978-3-8321-6012-8
⢠Inkubation, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1992. ISBN 978-3-462-04424-9
⢠Nox, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995. Neuausgabe: Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2008. ISBN 978-3-462-04422-5
⢠I Modi, Gatza bei Eichborn, Frankfurt am Main 1995. ISBN 978-3-8218-0654-9
⢠Das Sehen gehÜrt zu den glänzenden und farbigen Dingen, Droschl, Graz 1997. ISBN 978-3-85420-455-8
⢠Animationen, DuMont Literatur- und Kunstverlag, KÜln 1999. Neuausgabe: Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2008. ISBN 978-3-462-04421-8
⢠Der Fall Arbogast, DuMont Literatur- und Kunstverlag, KÜln 2001. ISBN 978-3-8321-5621-3
⢠Pietro Aretino: Stellungen â Vom Anfang und Ende der Pornografie, zweisprachige Ausgabe Italienisch / Deutsch, nachgedichtet und mit einem Essay versehen von Thomas Hettche, DuMont Literatur- und Kunstverlag, KĂśln 2003. ISBN 978-3-8321-7836-9
⢠BRAENTSCHU. Tre racconti inediti di Thomas Hettche. Otto incisioni all'acquaforte e all'acquatinta di Saskia Niehaus. Gebunden, 16 Seiten. Nummerierte und signierte Auflage von 50 Exemplaren, Canopo Edizione. Prato 2005.
⢠Woraus wir gemacht sind, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2006. ISBN 978-3-462-03711-1
⢠Fahrtenbuch 1993â2007, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KĂśln 2007. ISBN 978-3-462-03916-0
⢠Die Liebe der Väter, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2010. ISBN 978-3-462-04187-3
⢠Totenberg, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2012. ISBN 978-3-462-04463-8
⢠Pfaueninsel, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2014. ISBN 978-3-462-04599-4
⢠Unsere leeren Herzen. Ăber Literatur, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KĂśln 2017. ISBN 978-3-462-05068-4
⢠Herzfaden, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2020. ISBN 978-3-462-05256-5
⢠Sinkende Sterne, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2023. ISBN 978-3-462-05080-6
Herausgaben
⢠Null (zusammen mit Jana Hensel), DuMont Literatur- und Kunstverlag, KÜln 2000. ISBN 978-3-7701-5308-4
⢠Lavinia Greenlaw, Durs Grßnbein, Martin Mosebach, Felicitas Hoppe, Thomas Hettche, Daniel de Roulet, Marcel Beyer: "Die Berge sind mir fremd. Texte der Spycher Preisträger." Herausgegeben von Thomas Hettche. Edition Spycher 1 im Verlag von Urs Engeler, Basel/Weil am Rhein, 2005. ISBN 978-3-938767-00-9
⢠Andrea KĂśhler, Christian DĂśring, Michael Maar, Marion Graf, Roman Bucheli, Hubert Spiegel, Iso Camartin, Dieter Bingen: "Laudationes 2001â2005." Herausgegeben von Thomas Hettche. Edition Spycher 2 im Verlag von Urs Engeler, Basel/Weil am Rhein, 2006. ISBN 978-3-938767-16-0
⢠Barbara Honigmann: "Der Blick ßbers Tal. Zu Fotos von Arnold Zwahlen." Herausgegeben von Thomas Hettche. Edition Spycher 3 im Verlag von Urs Engeler, Basel / Weil am Rhein, 2007. ISBN 978-3-938767-38-2
⢠Felicitas Hoppe: "Der beste Platz der Welt". Erzählung. Herausgegeben von Thomas Hettche. Edition Spycher im DÜrlemann Verlag 2009. ISBN 978-3-908777-51-9
⢠Barbara KÜhler: "36 Ansichten des Berges Gorwetsch". Herausgegeben von Thomas Hettche. Edition Spycher im DÜrlemann Verlag 2013. ISBN 978-3-908777-88-5
⢠Es ist recht sehr Nacht geworden. Kleist, Raabe, Benn. Essays. Herausgegeben von Thomas Hettche. Mit Beiträgen von Lukas Bärfuss, Aris Fioretos, Durs Grßnbein, Felicitas Hoppe, Daniel Kehlmann, Sibylle Lewitscharoff, Olga Martynova, Ulrich Peltzer, Monika Rinck, Sabine Scholl, Katharina Schultens und Ingo Schulze. Verlag Kiepenheuer & Witsch, KÜln 2022. ISBN 3-462-00285-6
HĂśrbĂźcher
⢠Der Fall Arbogast. 2 Audio-CDs. Sprecher u. a.: Christian Berkel und Andrea Sawatzki. Universal Music 2004. ISBN 978-3-8291-1451-6
⢠Woraus wir gemacht sind. 6 Audio-CDs. Sprecher: Ulrich Matthes. Der HÜrverlag 2006. ISBN 978-3-8445-0453-8
⢠Pfaueninsel. 7 Audio-CDs. Sprecherin: Dagmar Manzel. Argon Verlag 2014. ISBN 978-3-8398-1361-4
⢠Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste. 2 MP3-CDS. Ungekßrzte Lesung. Sprecher: Valery Tscheplanowa und Christian Brßckner. Argon Verlag 2020. ISBN 978-3-8398-1817-6
Fremdsprachige Ausgaben
⢠Nox. Ins Spanische ßbertragen von Teófilo de Lozoya, Tusquets Editores, Barcelona 1996.
⢠Nox. Ins FranzÜsische ßbertragen von Bernard Banoun, Grasset, Paris 1997.
⢠Nox. Japan 1997 ISBN 4-560-04627-1
⢠Nox. Ins Portugiesische ßbertragen von Maria Augusta Júdice, ASA Editores, Lissabon 1998.
⢠El Caso Arbogast. Ins Spanische ßbertragen von Carlos Fortea. Tusquets Edito-res, Barcelona 2002.
⢠Sagen Arbogast. Ins Dänische ßbertragen von Adam Paulson. Gyldendal, Kopen-hagen 2002.
⢠NOX. Ins Niederländische ßbertragen von Wilfred Oranje. Gianotten, Amsterdam 2003.
⢠Le cas Arbogast. Ins FranzÜsische ßbertragen von Nicola Casanova. Editions Grasset & Fasquelle, Paris 2003.
⢠De zaak Arbogast. Ins Niederländische ßbertragen von Wilfred Oranje. Gianot-ten, Amsterdam 2003.
⢠Fallet Arbogast. Ins Schwedische ßbertragen von Katrin AhlstrÜm Koch. Albert Bonniers FÜrlag, Kopenhagen 2003.
⢠The Arbogast Case. Ins Amerikanische ßbertragen von Elizabeth Gaffney. Farrar Straus & Giroux, New York 2003.
⢠Der Fall Arbogast. Limbus Press, St. Petersburg und Moskau 2004.
⢠Arbogast-Saken. Kriminalroman. Ins Norwegische ßbertragen von Sverre Dahl. Gyldendal Norsk Vorlag AS 2004.
⢠Il caso Arbogast. Ins Italienische ßbertragen von Palma Severi, Einaudi, Mailand 2005.
⢠Sprawa Arbogasta. Ins Polnische ßbertragen von Marian Leon Kalinowski. Muza SA, Warschau 2006.
⢠What We Are Made Of. Ins Englische ßbertragen von MacMillan UK, London 2008.
⢠De quoi nous sommes faits. Ins FranzÜsische ßbertragen von Armand Beaume. Grasset & Fasquelle, Paris 2009.
⢠Isade armastus. Romaan. Ins Estnische ßbertragen von Piret Pääsuke. Eesti Raamat, Tallinn 2013.
⢠Paabulindude saar. Romaan. Ins Estnische ßbertragen von Piret Pääsuke. Eesti Raamat, Tallinn 2016.
⢠Püfugleøen. Ins Dänische ßbertragen von Maj Westerfeld. Batzer & Co, Roskilde 2017.
⢠LâIsola dei Pavoni. Ins Italienische Ăźbertragen von Francesca Gabelli. Bombiani, Milano 2017.
⢠LâĂle aux paones. Ins FranzĂśsische Ăźbertragen von Barbara Fontaine. Grasset, Paris 2017.
⢠El hilo del corazón. Ins Spanische ßbertragen von Paula Aquiriano Aizpurua. Alianza de Novelas, Madrid 2021.
Weblinks
Commons
: Thomas Hettche
â Sammlung von Bildern
⢠Literatur von und ßber Thomas Hettche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Kurzbiographie und Angaben zum Werk von Thomas Hettche bei Literaturport
⢠Thomas Hettche bei IMDb
⢠Website des Autors
⢠Die Liebe der Väter Rezension in Volltext, Nr. 5/2010
⢠Profileintrag ßber Hettche beim "Perlentaucher"
⢠Mitgliederseite auf der Homepage der Deutschen Akademie fßr Sprache und Dichtung
⢠Grßne Gläser. Auf Fontanes Spuren im Ruppiner Land, Sommer 2019 in Fontane Online
Einzelnachweise
cite-note-11. â [1]
cite-note-33. â Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Literatur und Wissenschaft
cite-note-44. â Literatur â Mitglieder: Thomas Hettche. In: adk.de. Akademie der KĂźnste, abgerufen am 23. Juli 2023.
cite-note-66. â TĂśdlicher Strudel im Kopf In: Neue ZĂźrcher Zeitung. 8. Dezember 1989.
cite-note-77. â Das Atmen der Dinge, das DrĂśhnen des Sterbens. Thomas Hettches Roman âNoxâ In: Neue ZĂźrcher Zeitung. 23. März 1995.
cite-note-88. â Bernard Imhasly - 1 Buch - Perlentaucher
cite-note-99. â Ein Geniestreich In: die tageszeitung. 14. Oktober 1989.
cite-note-1010. â WĂśrter-Wunden. In: Frankfurter Rundschau, 10. Oktober 1989.
cite-note-1111. â Die Pracht der Nacht In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. April 1995.
cite-note-1212. â [Tiefer Schnitt ins deutsche Fleisch. Thomas Hettches Roman aus der Nacht, in der die Mauer fiel] In: SĂźddeutsche Zeitung. 5. April 1995.
cite-note-1313. â Michael Basse
cite-note-1515. â Christa BĂźrger - 3 BĂźcher - Perlentaucher
cite-note-autogenerated4-1616. â Autorenporträt auf den Seiten des DuMont-Verlags (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive)
cite-note-1818. â Ein jeder tĂśtet, was er liebt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. Oktober 2001.
cite-note-1919. â Tief in den KĂśrpern liegt ein Geheimnis. In: Berliner Zeitung. 15. September 2001.
cite-note-2020. â Heinrich Detering
cite-note-2121. â [Die Leber steht am Rippenbogen. Thomas Hettches Der Fall Arbogast] In: Literaturen. 9/2001
cite-note-2323. â Im Inneren des Imperiums In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. August 2006.
cite-note-2424. â Elmar Krekeler: Artikel, Kontakt & Profil - Autorenseite - Welt
cite-note-2626. â [2]
cite-note-2727. â Ein Meister der Anreise In: Neue ZĂźrcher Zeitung. 26. Februar 2008.
cite-note-2828. â Kolonialwaren der Seele In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1. August 2008.
cite-note-2929. â Grenzerfahrungen In: Neue ZĂźrcher Zeitung. 14. September 2010.
cite-note-3030. â Roman Bucheli - 1 Buch - Perlentaucher
cite-note-3131. â Sandra Kegel: Aktuelle Beiträge aus der FAZ-Redaktion lesen
cite-note-3232. â Vampire im Wattenmeer In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. August 2010.
cite-note-3636. â DĂźsseldorf ehrt Autor Thomas Hettche In: Rheinische Post. 12. Juni 2013.
cite-note-3737. â Sozialisationsstudie in zehn Kapiteln In: Deutschlandradio Kultur. 29. Oktober 2012.
cite-note-3838. â [Der schwarze Schnee] In: SĂźddeutsche Zeitung. 8. Januar 2013.
cite-note-3939. â Das Klopfen der Käfer im Gebälk In: literaturkritik.de. Nr. 8, August 2013.
cite-note-4040. â Die Nachträglichkeit der Selbstbegegnung In: Kritische Ausgabe. Nr. 23/2012.
cite-note-4141. â Der Artist im Augapfel â ratlos In: Kulturzeit. 8. November 2012.
cite-note-4242. â Schriftsteller Thomas Hettche: BrĂźchige Märchenwelt (Memento vom 13. März 2015 im Webarchiv archive.today) In: Frankfurter Neue Presse. 14. Oktober 2014.
cite-note-4545. â Sebastian Hammelehle â Der Spiegel
cite-note-4848. â [Maries Emanzipation] In: KĂślner Stadtanzeiger. 1. Oktober 2014.
cite-note-4949. â Johannes BalleMedienFreier JournalistKĂśln: Johannes Balle - Freier Journalist - Medien. Abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-autogenerated1-5151. â WDR 3 - das Kulturradio. 14. Juli 2019, abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-5252. â Thomas Hettche Rätselvolles Eiland in der... Abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-autogenerated5-5353. â Ein Gespräch mit Thomas Hettche Ăźber... Abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-5555. â Badische Zeitung: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche: Verhängnisvolles Paradies. 30. August 2014, abgerufen am 11. Dezember 2024.
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cite-note-autogenerated6-5757. â Thomas Hettches "Die Pfaueninsel" â DW â 19.12.2014. Abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-5858. â Focus Online: Thomas Hettche - Mit dem Schleppnetz durch die Welt. In: Focus Online. (focus.de [abgerufen am 11. Dezember 2024]).
cite-note-5959. â [Schauplatz Berlin â An echten und imaginären Gräbern] In: SĂźddeutsche Zeitung. 17. Oktober 2014.
cite-note-6060. â NED.WORK: Friedhof - Ansichten Âť StrakowMarie Strakow -. Abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-6363. â Karin Janker: Versprechen der TrĂśstung. 28. November 2017, abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-6464. â bĂźcher de IT and Production: Unsere leeren Herzen. Abgerufen am 11. Dezember 2024.
cite-note-6565. â Ein Kasperl fĂźhrt als bĂśser Bengel der Geschichte tief hinunter in Deutschlands dunkle Zeiten In: Neue ZĂźrcher Zeitung. 23. September 2020.
cite-note-6666. â Auf der HinterbĂźhne der Erinnerung In: Stuttgarter Zeitung. 18. September 2020.
cite-note-6868. â Schriftsteller Thomas Hettche: âDie sozialen Medien fĂźhren zu Abgrenzung und Hassâ In: Berliner Zeitung. 27. September 2020.
cite-note-6969. â Die Unschuld hängt an dĂźnnen SchnĂźren In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. September 2020.
cite-note-7070. â Der ultimative Roman Ăźber die Augsburger Puppenkiste In: Der Tagesspiegel. 12. September 2020.
cite-note-7171. â HatĂź und der Horrorkasperl In: SĂźddeutsche Zeitung. 15. September 2020.
cite-note-7272. â Das Kind in uns In: Der Freitag. 30. September 2020.
cite-note-7474. â Im Vaterland des Schreibens In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. September 2023.
cite-note-7575. â Thomas Hettches neuer Roman âSinkende Sterneâ In: Tagesspiegel. 11. September 2023.
cite-note-7676. â Die Kraft der Verunsicherung In: Frankfurter Rundschau. 25. September 2023.
cite-note-7777. â Engelchen und Teufelchen In: SĂźddeutsche Zeitung. 27. September 2023.
cite-note-7878. â Stellungen oder vom Anfang und Ende der Pornografie In: Deutschlandfunk. 23. April 2003.
cite-note-7979. â Januar â Adventskalender und Flaschenpost. 1. Januar 1999.
cite-note-8080. â Rainald Goetz: Abfall fĂźr alle. Roman eines Jahres - Perlentaucher
cite-note-8282. â Forum der 13 â Das Forum der 13 ist eine Plattform fĂźr gegenwärtige Literatur
cite-note-8383. â Literatur im Internet: Gedruckte "Null"-Nummer In: Der Spiegel. 6. Juni 2000.
cite-note-8484. â www.taglinger.de
cite-note-autogenerated2-8585. â [Die Nuller-Konjunktur] In: Frankfurter Rundschau. 6. Mai 2000.
cite-note-8686. â Null â Ein Literatur-Hypertext-Experiment geht konventionelle Wege In: literaturkritik.de. Nr. 7, Juli 2001.
cite-note-8787. â Zur Website des Vereins, abgerufen am 23. Juli 2020
cite-note-8888. â Empathische LektĂźren: Benn auf der Website des LCB Berlin, abgerufen am 23. Juli 2020
cite-note-8989. â Willa Decjusza - Villa Decius Association
cite-note-9090. â stadtsparkasse-duesseldorf.de (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv archive.today)
cite-note-9191. â Seite des Aargauer Literaturhaus Lenzburg, aargauer-literaturhaus.ch, abgerufen am 23. Juli 2020.
cite-note-9292. â Thomas Hettche erhält den Joseph-Breitbach-Preis 2019, adwmainz.de, verĂśffentlicht und abgerufen am 3. Mai 2019.
cite-note-9393. â Joseph-Breitbach-Preis fĂźr Thomas Hettche, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 3. Mai 2019.
cite-note-9494. â Thomas Hettche: Männer sind sinkende Sterne. TĂźbinger Poetikvorlesung 2021. In: Sinn und Form 3/2022, S. 325â337.